Bioethanol

Politische Rahmenbedingungen in der EU und in Deutschland

Bei der Entwicklung und beim Aufbau einer leistungsstarken Bioethanolindustrie profitiert CropEnergies von Weichenstellungen innerhalb der EU. Ziel ist dabei eine Erhöhung der Versorgungssicherheit durch die Erschließung heimischer Energiequellen, die Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen sowie die Entwicklung eines neuen Industriezweigs.

Förderung durch EU-Richtlinien

Im Jahr 2003 schaffte die EU erstmals politischen Rahmenbedingungen für die Entstehung einer Bioethanolindustrie. Aktuell regeln die folgenden Richtlinien die Verwendung von Biokraftstoffen in der EU:
  • Erneuerbare-Energien-Richtlinie (2009/28/EG) (PDF, 1,3 MB)
    Im Transportsektor soll bis 2020 der Anteil der erneuerbaren Energien auf 10 % des Gesamtkraftstoffverbrauchs steigen. Im Jahr 2015 wurde der Anteil, den konventionelle Biokraftstoffe aus Ackerfrüchten wie Getreide und Zuckerrüben am Kraftstoffverbrauch im Verkehrssektor ausmachen, auf 7 % bis 2020 begrenzt.
    Zudem achtet die EU auf die Einhaltung von strengen Nachhaltigkeitskriterien. Dazu gehört auch, dass die erneuerbaren Kraftstoffe im Vergleich zu fossilen mindestens 35 Gew.-% und ab 2018 50 Gew.-% der Treibhausgasemissionen einsparen. Neue Biokraftstoffanlagen, die nach 2017 errichtet werden, müssen Treibhausgaseinsparungen von 60 Gew.-% erreichen. Auch die Herkunft der Biomasse muss lückenlos dokumentiert werden. So dürfen die verwendeten Rohstoffe nicht von Flächen mit hohem Kohlenstoffbestand, z. B. Wäldern, sowie Flächen mit hoher biologischer Vielfalt stammen. Regelmäßige Überprüfungen und Zertifizierungssysteme garantieren die nachhaltige Produktion der Biokraftstoffe.
  • Kraftstoffqualitätsrichtlinie
    Sie gibt vor, dass bis 2020 auf den gesamten Kraftstoffverbrauch gerechnet 6 Gew.-% der Treibhausgase eingespart werden müssen. Basiswert ist dabei die durchschnittliche Treibhausgasintensität der im Jahr 2010 verbrauchten Kraftstoffe. Die Richtlinie trägt dazu bei, dass die Emissionen der aktuellen Fahrzeugflotte kontinuierlich gesenkt werden und ermöglicht die EU-weite Einführung von E10.

Klima- und Energiepaket 2030

Am 30. November 2016 schlug die EU-Kommission ein umfangreiches Paket von klima- und energiepolitischen Maßnahmen für die Zeit nach 2020 vor. Für den Transportsektor enthält das Paket keine spezifischen Vorgaben. Es ist jedoch vorgesehen, den Anteil alternativer Kraftstoffe aus Abfall- und Reststoffen bis 2030 auf 6,8 % zu steigern. Gleichzeitig soll der Anteil der Kraftstoffe aus Ackerpflanzen bis 2030 auf maximal 3,8 % gesenkt werden. Die EU stellt die Nachhaltigkeit letzterer in Frage und ignoriert dabei wissenschaftliche Fakten: Europäisches Bioethanol spart bereits heute nachweislich rund 70 % der Treibhausgase gegenüber Benzin ein und reduziert die Abhängigkeit von Ölimporten. Die gleichzeitig anfallenden proteinreichen Lebens- und Futtermittel ersetzen zudem Sojaimporte aus Nord- und Südamerika. CropEnergies wird sich im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens für eine Förderung nachhaltig hergestellter Kraftstoffe auch nach 2020 einsetzen. Hierzu zählen vor allem verbindliche Ziele, den Anteil von erneuerbaren Energien im Transportsektor zu erhöhen. Um diese Ziele zu erreichen und um den Verbrauch von Öl zu senken, wird ein Zusammenspiel aus nachhaltigen Kraftstoffen sowohl aus Ackerpflanzen als auch aus Reststoffen notwendig sein. Konkrete Forderungen für eine Novelle der Erneuerbare Energien Richtlinie haben die Verbände der deutschen Biokraftstoff-Wertschöpfungskette in einem Positionspapier ausgearbeitet.
Pariser Klimavertrag
Im Jahr 2015 verpflichtete sich die EU und ihre Mitgliedstaaten, die notwendigen Maßnahmen zur Begrenzung der Erderwärmung auf weniger als 2 °C zu ergreifen. Wesentlicher Eckpfeiler hierfür ist, Verbrennung fossiler Kohlenstoffreserven zu mindern und damit die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre zu reduzieren. Erneuerbare Kraftstoffe aus nachwachsenden Pflanzen, die durch Fotosynthese das in der Atmosphäre befindliche CO2 binden, leisten hier einen unverzichtbaren Beitrag.

Deutschland

Ab dem 1. Januar 2015 werden die Biokraftstoffquoten nicht mehr auf der Grundlage des Heizwerts berechnet, sondern anhand von Treibhausgaseinsparzielen. Am 1. Januar 2017 wurden die Einsparungen von Treibhausgasen im Kraftstoffbereich von 3,5 auf 4 Gew.-% hochgesetzt. Ab 2020 ist ein weiterer Anstieg auf 6,0 Gew.-% vorgesehen. Die deutsche Biokraftstoffindustrie fordert jedoch Zwischenschritte, damit das Ziel 2020 wirklich erreicht werden kann.
Laut der deutschen Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung dürfen nur noch Kraftstoffe aus Biomasse gefördert werden, die bestimmte Nachhaltigkeitsanforderungen erfüllen. Alle Betriebe und Unternehmen, die Biokraftstoffe herstellen, müssen ab dem 1. Januar 2011 in einem Zertifizierungsverfahren nachweisen, dass sie nachhaltig produzieren.

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